Weinjahr 2018 - Sonne satt!

Dieses Jahr wird uns allen wohl lange in Erinnerung bleiben!

Der Super-Sommer war drauf und dran, alle Rekorde zu brechen, musste sich letztendlich aber doch knapp dem Jahr 2003 geschlagen geben.
Die Kombination aus hoher Durchschnittstemperatur, geringe Niederschlagsmenge und langer Sonnenscheindauer führte dazu, dass wir trotz deutlich größerem Traubenbehang ebenso früh wie im Vorjahr, am 6. September, mit der Traubenlese begannen - und noch sind wir immer noch nicht ganz fertig!
Aber einmal der Reihe nach...

Das Jahr startete bereits mit einem viel zu warmen und deutlich zu nassem Januar. Auch in den letzten Wochen des Vorjahres regnete es ausgiebig, was dazu führte, dass die Wasservorräte ausreichen gefüllt waren. Zu diesem Zeipunkt wussten wir allerdings noch nicht, wie sehr wir auf dieses Puffer einmal angewiesen sein würden. Erst Ende Februar zeigte sich der Winter mit sogar knapp zweistelligen Minustemperaturen, wenn auch nur von kurzer Dauer.
In den folgenden Wochen stiegen die Temperaturen wieder deutlich und der überdurchschnittlich warme April führte dazu, dass bereits Ende des Monats selbst die spätestens Lagen ausgetrieben waren. Zu diesem frühen Zeitpunkt besteht immer die Gefahr, dass die noch jungen und sehr empfindlichen Triebe bei Nachttemperaturen unter 0°C erfrieren und für uns Winzer ein enormer Schaden entsteht. Diese schmerzliche Erfahrung mussten wir erst im Jahr 2017 machen, als die Reben ähnlich früh austrieben. Die folgenden Wochen waren in diesem Jahr deshalb wieder von einigen schlaflosen Nächten gezeichnet, wenn denn die Wetterprognosen sich dem Frostbereich annäherten. Und wieder einmal war es verdammt knapp, als in der Nacht des 2. Mai das Thermometer an einem tief gelegenen Weinberge in den Frostbereich fiel, zum Glück kam es aber zu keinem nennenswerten Schaden!
Die folgenden Wochen waren geprägt von sehr warmen Temperaturen und einem enormen Wachstum, was uns fast an die Grenzen unserer Arbeitskapazitäten brachte. Die Witterungsbedingungen sorgten auch für einen frühen Blühbeginn und einen enorm schnellen Blühverlauf Anfang Juni und somit fast zwei Wochen vor der Norm. Die sehr warmen Sommertemperaturen steigerten sich dann bis in den August hinein immer weiter. Niederschläge blieben in der gesamten Zeit nahezu aus und beschränkten sich auf einige wenige, aber dafür heftige Starkregenereignisse, die zum Glück ohne Hagel ans uns vorüber gingen.
Ab Juli wurde es dann immer trockener und spätestens jetzt war es für uns enorm wichtig, die Weinberge so zu bearbeiten, dass der Wasserhaushalt möglichst geschont wird. Konkret hieß dies zum Beispiel ein maximales Abmulchen der wasserzehrenden Begrünungen und eine immer wieder kehrende, flache Bodenbearbeitung der nicht begrünten Weinbergszeilen, um die Verdunstung durch den Boden so gering wie möglich zu halten. Auch unsere in anderen Jahren zu dieser Zeit sehr aufwendigen Entblätterungsmaßnahmen der Traubenzone stellten wir bis auf ein Minimum ein oder beschränkten sie auf die Schattenseite der Rebzeilen, um die Trauben nicht der direkten Sonneneinstrahlung auszusetzen. Wohl auch aufgrund unserer Maßnahmen lag die Wasserversorgung der meisten Weinberge zum Reifebeginn auf einem noch erstaunlich guten Niveau. Grund hierfür waren wohl auch die zum Glück ausreichenden Winterniederschläge, die sich vor allem die älteren Rebstöcke je nach Standort über ihr bis zu zehn Meter tief reichendes Wurzelsystem noch erschließen konnten. Lediglich einige wenige, ganz junge Weinberge litten merklich unter Trockenstress, sodass wir vor allem die jungen Reben teilweilse bewässern mussten. Im großen und ganzen bezifferte sich diese Fläche aber nur auf einen ganz geringen Anteil unserer Weinberge, mehr wäre auch aus arbeitswirtschaftlicher Sicht für uns überhaupt nicht möglich gewesen. Wir hatten also wieder einmal ganz schön Glück, oder zumindest ein gutes Händchen!
Dem Vegetationsvorsprung entsprechend starteten wir mit der Traubenernte, wie oben beschrieben, bereits Anfang September, bei immer noch fast sommerlichen Temperaturen und absolutem Bilderbuchwettter. Es blieb auch in den folgenden Wochen trocken, so dass wir alle Weinberge extrem entspannt und bei idealem Gesundheitszustand abernten konnten. Das Lesegut war über alle Weinberge so perfekt reif und gesund, dass es quasi nichts auszusortieren gab - das haben wir so noch nicht erlebt! Dementsprechend konnten wir die Ernte ohne jeglichen Druck durch angekündigte Niederschläge oder einen Wetterumschwung ausdehnen. Lediglich den Zuckergehalt und die Säurewerte der Trauben mussten wir genau beobachten, um unserem Weinstil mit moderaten Alkoholgehalten, Filigranität und Frische treu zu bleiben. Die Hauptlese beendeten wir somit erst nach mehr als fünf Wochen am 17. Oktober, ein so langer Herbst war in den letzten Jahren sehr selten.

Noch sind fast alle Weine in der "Kinderstube" und wir sind unendlich gespannt, wie sich der Jahrgang im Frühjahr präsentieren wird. Schon jetzt schmeckt alles aber bereits sehr vielversprechend. Wir neigen dazu, einige Parallelen zu den ebenfalls großartigen Weinjahren 2011 oder auch 2015 zu ziehen, aber all dies wird die Zukunft zeigen. Mit Sicherheit sagen können wir, dass der neue Jahrgang bereits im Basisbereich hervorragende Weine hervorbringen wird, die unserem und dem Geschmacksbild vieler unserer Kunden voll und ganz entsprechen.

Wir hoffen, mit diesem ausführlichen Bericht wieder einmal deutlich zu machen, wie sehr unser Handeln von den sich jedes Jahr ändernden Gegebenheiten abhängt und wie sehr unsere Arbeit unmittelbar mit der Natur verbunden ist. Jedes Jahr ist anders und erfordert eine andere Herangehensweise, um immer wieder Weine auf unserem gewohnt hohen Qualitätsniveau und mit der von unseren Kunden geschätzen Typizität zu erzeugen.

Torsten Zöller

Anfang Juli war noch genügend Wasser vorhanden und alles erschien saftig grün.
Ein junger Riesling Weinberg, der massiv unter der Trockenheit leidet. Zum Glück die Ausnahme und der einzige Weinberg in diesem Ausmaß!
Hochreife Weissburgunder Trauben, Mitte September.
Perfekter Riesling Mitte Oktober.